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Schwache Konjunktur - was nun?
Untergangsstimmung ist heute nicht gefragt. Wer nicht
bereit ist umzudenken und das Unbegangene nicht wagt, muss morgen
den Platz für die anderen frei machen.
Keiner hatte es sich gewünscht. Aber die Wirtschaftsflaute ist
da. Die Werbeetats werden gekürzt. Die Spielräume werden immer
enger. Wir können nicht darauf warten, dass der Konkurrent früher
Insolvenz meldet als wir und hoffen, dass seine Etats dann zu
uns wandern. Es kann auch umgekehrt kommen. Nein, Untergangsstimmung
und Ratlosigkeit sind hier nicht gefragt. Kostenreduzierung, Personalabbau
und Investitionstopp sind vielleicht die schnellsten Maßnahmen.
Sie helfen aber nur kurzfristig, weil sie das Unternehmen schwächen.
Die Folgen sind Stagnation, fehlende Motivation, schlechtes Arbeitsklima
und sogar Mobbing. Am Ende werden diejenigen überleben, die in
den schwierigen Zeiten konkurrenzfähig sind und sich schon heute
darauf vorbereiten, den mittelfristig zu erwartenden wirtschaftlichen
Aufschwung nutzen zu können.
Solange es uns gut geht, die Branche boomt, es viel zu tun gibt
und ein akzeptabler Zuwachs erreicht wird, hat die Frage für die
meisten nicht die erste Priorität, ob das Unternehmen flexibler,
produktiver und effizienter organisiert werden kann. Erst
die harten Marktbedingungen machen es deutlich, welche Unternehmen
gut vorbereitet sind. Nun sind die Spielräume eng. Aber wenn wir
der Situation positiv begegnen, finden wir neue Chancen, uns besser
zu organisieren.
Jetzt haben die Unternehmensverantwortlichen mehr Zeit, um nachzudenken,
ob
- die Arbeitsabläufe nicht vielleicht doch effizienter gestaltet
werden können.
- technologische Fortschritte und technische Potenziale ausgeschöpft
sind.
- die vorhandene Infrastruktur der Aufgaben von Morgen gewachsen
ist.
- der Kreativprozess optimal organisiert ist.
- das Unternehmen auf Kundenwünsche und Marktbegebenheiten national
und international deutlich schneller und qualitativ besser als
der Konkurrent reagieren kann.
- das Personal optimal geschult ist.
- eine effiziente und reibungslose Teamarbeit auch für virtuelle
Teams gewährleistet ist.
Ich kann hier noch weitere wichtige Fragen dieser Art auflisten.
Antworten und Maßnahmen variieren von Fall zu Fall. Es gibt kein
Patentrezept. Es kommt letztendlich darauf an, ob das Bewusstsein
im Unternehmen vorhanden ist, sich diese Fragen zu stellen, sorgfältig
nach Antworten zu suchen und diese dann konsequent umzusetzen.
In einer Werbeagentur sind verschiedene Abläufe zu beobachten,
die sowohl isoliert als auch in der Interaktion zu untersuchen
sind. Isolierte Abläufe sind wegen ihrer Überschaubarkeit
in der eigenen abgeschlossenen Umgebung meistens relativ gut organisiert.
Die Optimierungspotenziale findet man in den Interaktionen zwischen
verschiedenen Abteilungen, Teams oder Offices, und zwar wenn man
einen Schritt zurücktritt, um das ganze Bild betrachten zu
können. Meistens gelingt es einem außenstehenden Experten
besser, die Optimierungspotenziale zu erkennen. Eine Zusammenarbeit
von internen Verantwortlichen und externen Beratern ist wünschenswert.
Während die erste Gruppe mit dem Tagesgeschäft, der
Arbeitskultur und den vorhandenen Abläufen vertraut ist,
kennt die zweite Gruppe Alternativen, kann als Visionar neue Wege
aufzeigen und wird durch gewachsene Strukturen im
Unternehmen nicht gehemmt.
Absoluter Quatsch sagt sich einer. Investieren in Ablaufoptimierung
und Organisationsstudie, während das erste Gebot heute Sparen,
Sparen und noch mal Sparen ist?
Eine Investition an sich ist weder falsch noch richtig. Maßgebend
ist der ROI (Return on Investment). In den letzten Jahren
haben viele Unternehmen in die (IT-) Infrastruktur, Hardware,
Intra-, Extra- und Internet beachtliche Beträge investiert,
weil sie diese machen mussten. Meistens werden diese Ausgaben
genau so wie Raummiete und Telefongebühren als Overheadkosten
betrachtet. Deshalb ist man auch nicht bemüht, deren Auswirkung
zu messen. Eine schnellere und bessere Infrastruktur sagt längst
nicht aus, ob Applikationen kompatibler geworden sind, redundante
Abläufe verringert, Motivation gestiegen, Arbeitsmoral verbessert
und Entscheidungsprozesse transparenter wurden. Wie oft haben
Unternehmen überprüft, ob der ROI und die Wertschöpfung
resultierend aus der Auswirkung von IT-Investitionen auf Effizienz
einer Werbeagentur stimmen? Wer denkt an die Soft-Benefits? Wie
können sie messbar gemacht werden? Während solche Studien
für kleine Agenturen nicht relevant scheinen, sind sie für
große Agenturen von unverzichtbarer Bedeutung.
Wenn wir mit relativ kleinen Investitionen dazu beitragen
können, dass die Mitarbeiter in gleicher Zeit ohne zusätzliche
Belastung mehr leisten, dann haben wir einen positiven ROI bei
fast gleich bleibenden Kosten pro Kopf. Dieser wird deutlich,
wenn wir abgesehen von den Soft-Benefits nur den Faktor Produktionszeit
berücksichtigen. Eine durchschnittlich 30-minütige Zeitersparnis
am Tage pro Person ergibt zum Beispiel den Betrag von 1,1 Millionen
€ im Jahr fur eine Agentur mit 200 Mitarbeitern, wenn
die durchschnittlichen Lohn- und Overheadkosten pro Person nur
50€/Stunde wären. Die Ersparnis wird nicht zum Personalabbau
führen, sondern steigert die Produktivität und die Arbeitsgeschwindigkeit.
Demzufolge verbessert sich die Konkurrenzfähigkeit und Kundenzufriedenheit,
die noch mehr Aufträge für das Unternehmen bedeuten.
Einer würde fragen, wozu die Zeitersparnis von 30 Minuten
am Tage pro Person, wenn mindestens die Hälfte sowieso nichts
(genug) zu tun hat? In so einem Unternehmen fehlt schlicht und
einfach die Prozesstransparenz. Hier würde es viel zu optimieren
geben.
Die folgenden Stichworte sollen zeigen, was ein gut durchdachtes
System und eine optimale Arbeitsorganisation bewirken soll. Denken
Sie darüber nach, welche dieser Kriterien in Ihrem Unternehmen
erfüllt sind.
- Faires Verteilen der Arbeitslast ermöglichen.
- Redundanzen verhindern.
- Leerlaufzeiten minimieren.
- Vorhandene Informationen verfügbar machen.
- Vorhandensein und Verfügbarkeit von Informationen gewährleisten
und zwar unabhängig von Personen.
- Aktualitat und Eindeutigkeit von Informationen auf jedem Arbeitsplatz
sicherstellen.
- Teamarbeit fördern und fordern, auch wenn Teammitglieder
örtlich getrennt sind.
- Selbstdisziplin einführen.
- Routinemäßige Arbeiten automatisieren.
- Durch Mehrfachnutzung von Medien Kosten reduzieren.
- Projekt- und produktbezogenes Knowledge von Mitarbeitern systematisch
aufnehmen und nach Bedarf zur Verfügung stellen (Knowledge-Management).
- Content und Media lückenlos und flächendeckend verknüpfen.
- Abläufe für das Management und die Mitarbeiter transparent
machen.
- Engpässe frühzeitig erkennen und kostspielige (Nach-)Arbeiten
verhindern.
- Fehlentscheidungen verhindern.
- Eine schnellere und bessere Reaktion auf die Marktbegebenheiten
und Kundenanfragen ermöglichen.
- Kundenbindung und Neukundengewinnung verbessern.
- Kostengünstige, effektive und sichere Archivierung von
abgeschlossenen Projekten gewährleisten.
Es gibt viel zu tun. Nach dem Motto Not macht erfinderisch,
sehen wir die Chancen, uns zu verbessern. Untergangsstimmung ist
heute nicht gefragt. Wer nicht bereit ist umzudenken und das Unbegangene
nicht wagt, muss morgen den Platz für die anderen frei machen.
Bahram Eghbal
www.eghbal.net
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Schwache Konjunktur - was nun? ©2003 Bahram Eghbal
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